Holzbau im Brandschutz

Brandschutz im Holzbau

Brandschutz und Holz – passt das zusammen? Wir zeigen auf, was beim Brandschutz im Holzbau beachtet werden muss.

29 Juni 2021 Fire Safety

Brandschutz und Holz – passt das zusammen?

Holz brennt! Das ist hinlänglich bekannt. Andererseits ist Bauen mit Holz seit vielen Jahrhunderten selbstverständlich – und das Interesse daran wächst. Zunehmend ist Holzbau auch mit unseren baurechtlichen Vorgaben in Einklang zu bringen: Einige Bundesländer haben ihre Landesbauordnung zugunsten des natürlichen Materials angepasst. Gebäude jenseits der Hochhausgrenze sind längst realisierbar. In Hamburg zum Beispiel entsteht mit dem 65 Meter hohen Wohngebäude „Roots“ eines der größten Holzhäuser Deutschlands.

Holz ist nachhaltig, stabil und sicher

Holz bietet einige klare Vorzüge. Einer ist ganz sicher der Klimaschutz. Holz bindet das Treibhausgas CO2, statt es in die Atmosphäre abzugeben. Zudem begrenzt die geringe Wärmeleitfähigkeit von Holzwänden und -böden den Wärmeverlust von Häusern. Darüber hinaus sind Holzkonstruktionen erheblich leichter als Stein- und Betonbauweisen. So sind Aufstockungen im Bestand statisch einfacher zu realisieren.

Im Brandfall erweisen sich Holzkonstruktionen entgegen landläufiger Annahme als äußerst tragfähig. Denn die Bauteile bleiben weitgehend formstabil. Dafür sorgen die niedrige Wärmeleitfähigkeit und die dadurch bedingten sehr geringen Temperaturausdehnungskoeffizienten. Bei einem Brand bildet sich an der Außenseite des Materials eine Verkohlungsschicht. Sie schützt den Holzkern über einen längeren Zeitraum vor Durchbrand und Einsturz. Das zeigt sich beim Brand von Fachwerkhäusern: Ihr Holzgerippe hält Stand, der Rest des Hauses fällt den Flammen zum Opfer.

Fachwerkhaus Holz

Im Unterschied zu Holz versagen vermeintlich sicherere und nicht brennbare Stahlträger im Brandfall bei Temperaturen oberhalb 900°C oft sehr plötzlich. Unter Last, zum Beispiel von schweren Betonteilen, ist sogar schon bei Temperaturen von mehr als 500°C, wie sie bei einem Brand in Minuten erreicht werden, mit dem Versagen ungeschützter Stahlträger und dem Einsturz des Gebäudes oder von Gebäudeteilen zu rechnen.

Brandschutztechnische Vorgaben sind erfüllbar

In den Gebäudeklassen 1 bis 3 ist Bauen mit dem Material Holz weitgehend unproblematisch. Durch sogenannte Brandschutzimprägnierungen, speziell geprüfte und zugelassene Farben und Lacke, kann Holz von Baustoffklasse B2 (normal entflammbar) auf B1 (schwer entflammbar) ertüchtigt werden. Imprägnierungen sind vorwiegend für Innenräume geeignet.

 

Von Gebäudeklasse 4 an sind die Vorgaben der Landesbauordnungen (LBO) zu beachten. Die meisten LBO fordern für tragende und aussteifende Bauteile die Baustoffklasse A (nichtbrennbar). Holz-Tragekonstruktionen können diese Klassifizierung nicht erreichen. Holz gilt immer als höchstens „normal entflammbar“. Für mehrgeschossige Gebäude liefert ein Brandschutzkonzept die notwendige zusammenfassende brandschutztechnische Bewertung. Über das Konzept können dann auch Abweichungen vom Baurecht durch sinnvolle und nachweisbare Kompensationsmaßnahmen legalisiert werden. Auch weitergehende Anforderungen wie die Einteilung der Rauch- und Brandabschnitte, eine schnelle Alarmierung im Brandfall sowie die sichere Evakuierung der Gebäude über die Rettungswege werden im Konzept erfasst und festgelegt.

Unserer CWS Fire Safety-Erfahrung nach erfordert Bauen mit Holz schon in der Entwurfsphase die Zusammenarbeit mit einem kompetenten Brandschutzplaner-Team. Es betrachtet die Konstruktion anhand der spezifischen Bauteil- und Materialeigenschaften, um ein optimales brandschutzkonformes Ergebnis zu erzielen. Wir empfehlen außerdem, frühzeitig die Genehmigungsbehörden mit in die Planung einzubinden.

Auch für hohe Anforderungen gibt es Lösungen

Die europäischen Brandschutzvorschriften stellen allgemeine Standards zum Brandverhalten von Holz noch nicht umfassend dar. Die Brennbarkeitsklassen von Baustoffen werden aber nach eu­ropäischen Normen geprüft und klassifiziert. Maßgeblich ist die DIN EN 13501-1. Die meisten Holz-Konstruktionswerkstoffe sind der Klassifizierung D-s2,d0 (normal entflammbar, Rauchentwicklungsklasse 2, nicht brennend, abtropfend) zugeordnet.

Um vorgegebene höhere Schutzziele zu erreichen und Brandausbreitungen zu begrenzen, können zusätzliche nicht brennbare Bekleidungsmaterialien eingesetzt werden. Oft sind dies zum Beispiel Gipskarton-Feuerschutzplatten. Sie schützen die dahinter liegenden brennbaren Baustoffe vor Entzündung. Diese Option wird häufig für Brandabschnittseinteilungen und Fluchtwege genutzt. Auch für Durchführungen, etwa von Kabeln und brennbaren Rohren, hält der Markt geprüfte und zugelassene Abschottungssysteme bereit. Mit Unterstützung und Beratung unserer CWS Fire Safety-Experten finden Sie die passende Lösung für Ihren Zweck.

Brandabschottung Kennzeichnung

Die Abbrand-Rate des Baustoffs Holz lässt sich auch rechnerisch darstellen. Somit werden der statisch erforderliche Holzquerschnitt zur Sicherstellung der Tragfähigkeit der Holzkonstruktion im Brandfall über einen definierten Zeitraum hinweg sowie weitere Schutzziele des Brandschutzes nachgewiesen. Zwei vereinfachte Rechenverfahren sind in der DIN EN 1995 Teil 1 und 2 angegeben.

Ja, Holzbau und Brandschutz gehen zusammen. Gute Planung und fachgerechte Verwendung beim Bauen mit Holz sind jedoch unverzichtbar. Wir von CWS Fire Safety sind Ihr kompetenter Ansprechpartner.

Haben Sie noch Fragen zu Brandschutz im Holzbau?

Left
Right
Unsere Datenschutzinformationen finden Sie hier: Link
Hidden Fields