Brandschutzplanung für Neu- und Bestandsbauten

Ob Neubau oder Sanierung, je komplexer ein Gebäude ist, desto besser, wenn der Fachplaner für vorbeugenden Brandschutz von Anfang an dabei ist.

Brandschutzplanung

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17 Februar 2022 Fire Safety

Ob Neubau oder Sanierung, wenn der Brandschutz nicht rechtzeitig berücksichtigt wird, kann es zu einer teuren und zeitverzögerten Fertigstellung kommen. Wir möchten vor allem Architekten, Bauherren, Betreiber, Brandschutzbeauftragte und TGA-Planer, die nicht jeden Tag mit der Brandschutzplanung konfrontiert sind, eine Übersicht zum Ablauf einer Brandschutzplanung geben.

Bau und Brandschutz: Auf die Planung kommt es an

Bei Bauvorhaben stellt sich für Architekten und Bauherren die Frage, wann der Brandschutz in die Bauplanung einzubinden sei. Ganz kurz: je früher, desto besser. Vor allem wenn es um komplexere Bauvorhaben geht (z. B. Sonderbauten) muss bereits in der Frühphase ein Fachplaner für den vorbeugenden Brandschutz dabei sein. Diese Person hat die benötigte Sachkunde und Erfahrung, arbeitet eng mit den Bauplanern zusammen und unterstützt den Bauherrn bei der Fertigstellung des Gebäudes bzw. Installation und Abnahme der brandschutztechnischen Einrichtung. Dabei spielt die kosteneffiziente Planung eine große Rolle. Die Brandschutzplanung wirkt sich auf aktuelle Kosten (Installation) wie auch zukünftige Kosten (Wartung) aus. Dieses sollte von Beginn an berücksichtigt werden.

Vorgaben und Vorschriften zur Brandschutzplanung

Um die Baugenehmigung zu erlangen, muss ein Brandschutzkonzept vorgelegt werden. Bei diesem Brandschutzkonzept müssen folgende Mindestanforderungen berücksichtigt werden:

  • Baurechtliche Vorschriften gemäß MBO
  • Vorgaben der (Feuer-)Versicherer
  • Vorgaben des Gebäude-Betreibers bzw. des Kunden

Weitere Brandschutzanforderungen können aufgrund von anderen anlagetechnischen, baulichen oder organisatorischen Dingen beeinflusst werden. Es sollte bereits in der frühen Planungsphase ein Team mit Verantwortlichkeiten aus jedem Bereich dabei sein, damit einer Baugenehmigung und späteren Abnahme nichts im Wege steht.

Größte Herausforderung

Je komplexer ein Bauvorhaben, desto schwieriger alle Beteiligten zusammenzubringen und ein gemeinsamen Verständnis aufzubauen wie auch Aufgaben und Verantwortlichkeiten festzulegen. Brandschutztechnik und Gebäudetechnik haben beispielsweise einige Überschneidungspunkte z. B. Verhalten von brandschutztechnischen Anlagen bei Stromausfall. Neben der schriftlichen Planung und den direkten Austausch hilft es auch, das Zusammenspiel bei vorherigen Kunden anzuschauen entweder vor Ort oder anhand von Bildmaterial.

Brandschutzplanung für Neubau

Wir möchten Ihnen am Beispiel eines Neubaus den Ablauf aus Brandschutzsicht erläutern. Da jedes Gebäude individuell ist, kann der Ablauf in der Praxis abweichen. Nichtsdestotrotz können Sie sich an diesen Ablauf grob orientieren, um ein besseres Verständnis zu bekommen.

1. Prüfung der Gebäudeklasse bei Standardbauten und somit der Brandschutzvorgaben. Bei Sonderbauten muss ein Fachplaner für vorbeugenden Brandschutz gemäß MBO dabei sein.

2. Brandschutz-Schutzziel definieren und entsprechend Brandschutzvorgaben erweitern oder anpassen. Anforderungen der Feuerversicherung berücksichtigen.

3. Wechselwirkung beachten zwischen organisatorischen, baulichen und technischen Brandschutz wie auch zu anderen Gewerken wie technische Gebäudeausrüstung (TGA).

4. Erstellung des Brandschutzkonzeptes. Alle definierten Brandschutzvorgaben und -maßnahmen werden in einem Leistungskatalog festgehalten.

5. Erstellung des Gebäudekonzepts. Die Brandschutzanforderungen, wie auch die Anforderungen der anderen Planer werden vom Architekten zusammengeführt zu einem Gebäudekonzept, dieses wird für die Baugenehmigung beim Bauamt eingereicht.

6. Baugenehmigung einholen. Das Bauamt prüft Anforderungen und Maßnahmen. Evtl. sind Korrekturen notwendig. Im besten Fall wird die Baugenehmigung direkt erteilt.

7. Erstellung des Ausführungsplans durch den Architekten mit den jeweiligen Fachplanern. Zentrale Frage: Welche Einzelleistung eines jeden Gewerks muss, wann und von wem erledigt werden? Besonderes Augenmerk muss auf Abhängigkeiten gelegt werden. 

8. Ausschreibung. Bei öffentlichen Projekten oder sehr großen Projekten werden Ausschreibungen erstellt. Ausführungsunternehmen wie Brandschutzunternehmen können anhand des zur Verfügung gestellten (Brandschutz-)Leistungskatalog ein Angebot abgeben und sich somit um die Ausführung „bewerben“. Zuschlag bekommt das Unternehmen, das am günstigsten ist oder von der Leistungserbringen/ -kompetenz am besten passt.

9. Umsetzungsphase. Nun werden die definierten Maßnahmen umgesetzt, z. B. die Installation einer Brandmeldeanlage mit entsprechenden Meldern und Sensoren, Feuerwehrschlüsseldepot und Feuerwehrlaufkarten. Die Koordination der unterschiedlichen Brandschutzgewerke kann auch ein Brandschutzfachplaner übernehmen. Ein Prüfsachverständiger prüft letztendlich die Brandschutzvorrichtung und erteilt die Freigabe zur Nutzung.

10. Baurechtliche Abnahme. Die Brandschutzeinrichtung kann nun in Betrieb genommen werden. Die Gewerke werden meist einzeln abgenommen. Zum Schluss gibt es eine Endkontrolle durch Mitarbeiter der Baubehörde, die letztendlich das gesamte Gebäude freigeben.

Die Brandschutzplanung ist ab hier abgeschlossen. Für viele Brandschutzeinrichtungen gibt es allerdings vorgeschriebene Wartungs- und Prüfungsintervalle, die durch sachkundige Personen (wie z. B. CWS Fire Safety) bzw. durch Prüfsachverständige durchgeführt und protokolliert werden müssen.

Anbei ein paar Beispiele aus der Praxis

Brandschutzplanung: Beispiel Brandschutztüren

Brandschutztüren müssen stets geschlossen bleiben. Dafür sorgt ein Selbstschließmechanismus. Die Türen bei jedem rein- und rausgehen zu öffnen, ist bei viel genutzten Zugängen jedoch lästig. Im Ergebnis werden die Brandschutztüren zum Beispiel an Teeküchen und Kopierräumen widerrechtlich verkeilt und beschädigt. Dann sind zur Wiederherstellung der Brandschutzfunktion aufwendige Reparaturen notwendig. Durchdachte Brandschutzplanung lässt dieses Problem gar nicht erst aufkommen. Sie sieht von vornherein den Einbau bauaufsichtlich zugelassener Feststellanlagen vor. Die Brandschutztüren schließen im Brandfall automatisch, aber ansonsten dürfen sie während der Betriebszeiten offenstehen.

Brandschutz mit Produktionsabläufe abstimmen

Was für Unternehmen ebenfalls wichtig ist: Produktionsabläufe und Brandschutzplanung können sich gegenseitig beeinflussen. Deshalb sollten Bauherren mit dem Brandschutzexperten an ihrer Seite vorausschauend überlegen, wie Erweiterungen, Umstrukturierungen und Umnutzungen eines Gebäudes zukünftig mit möglichst geringem Aufwand realisierbar sind. Ein frühzeitiger Austausch und das Verständnis zu entwickeln, welche Arbeiten notwendig sind, wirken sich positiv auf die Umsetzung und das Ergebnis aus.

Wenn beispielsweise im Bestand Wände und Flure umgeplant werden, kommt häufig Trockenbau zum Einsatz. Gelten für diese Wände Brandschutzanforderungen, sind Zulassungsdetails von Ständerwerk, Wand- und Deckenanschlüssen bis hin zur letzten Schraube zu beachten. Hier sind rechtzeitige Planung, eine zulassungskonforme Materialauswahl sowie eine kontinuierliche Überwachung der Arbeiten empfehlenswert, um Bauverzögerung entgegenzuwirken.

Brandschutzplanung bei Sonderbauten

Bei Sonderbauten sind jedoch Sonderlösungen an der Tagesordnung. Hier zeigen Brandschutzfachplaner Optionen für Abweichungen von der Norm und Kompensationsmöglichkeiten auf, die komplexe Vorhaben genehmigungsfähig und damit erst realisierbar machen. Häufig führen solche durchdachten Lösungen zusätzlich zu mehr Kosteneffizienz. Davon profitiert der Bauherr. Im Unterschied dazu bewirken nachträglich geplante Brandschutzmaßnahmen oft das Gegenteil. Erfahrungsgemäß vergessen andere Fachgewerke (z. B. Mauer ziehen, Elektroleitungen verlegen), dass es auch für sie Brandschutzvorgaben existieren, weil diese in den Planungen eben nicht berücksichtigt wurden. Klassiker sind Elektro- und Rohrleitungsbau. Zudem kann es Kollisionen geben. Beispielsweise, wenn erforderliche Abstände für eine zulassungskonforme Brandabschottung nicht eingehalten und bereits verlegte Leitungen noch einmal umverlegt werden müssen. Das verursacht sowohl Verzug als auch Mehraufwand. Eine sehr frühe Einbeziehung von Brandschutzexperten hilft, Ausführungsfehler zu vermeiden.

Ein Verantwortlicher für alle Brandschutzgewerke

Es ist sinnvoll, neben dem Fachplaner Brandschutz einen Fachbauleiter Brandschutz einzusetzen. Fachbauleiter überprüfen in vom Baufortschritt abhängigen Abständen und die ordnungsgemäße Ausführung der Brandschutzarbeiten. Sie unterschreiben die zur Bauabnahme erforderliche Brandschutz-Überwachungsbescheinigung.

Brandschutzexperten frühzeitig ins Boot zu holen, zahlt sich aus. Bauherren und Architekten profitieren von umfassender Fachkompetenz, tragfähigen, effizienten Lösungen und nicht zuletzt vom reibungslosen Baufortschritt. 

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